am 19.01.2021

Keine Zuschauer bei der WM in Oberstdorf

Leere Zuschauerränge

FIS Nordische Ski-Weltmeisterschaft Oberstdorf/Allgäu 2021 präsentiert von Stora Enso findet ohne Zuschauer statt

Wenn am 23. Februar 2021 der Startschuss für die FIS Nordische Ski-Weltmeisterschaft 2021 in Oberstdorf fällt, werden die Zuschauertribünen in den Stadien leer bleiben. Nach intensiven Gesprächen mit dem Bayerischen Innenministerium, dem Internationalen Skiverband und dem Deutschen Skiverband musste sich der Aufsichtsrat der Nordischen WM GmbH dafür entscheiden, die Veranstaltung aus Sicherheitsgründen ohne Zuschauer durchzuführen. Bereits erworbene Tickets werden vollumfänglich zurückerstattet.
Bis zuletzt hatten die Verantwortlichen darauf gehofft, zumindest einer reduzierten Anzahl an Ski-Fans ein Live-Erlebnis vor Ort ermöglichen zu können.

Vergebens. „Natürlich hätten wir uns alle eine andere Entscheidung gewünscht“, erklärte Dr. Franz Steinle, Präsident des Deutschen Skiverbandes und Aufsichtsratsvorsitzender der FIS Nordischen Ski WM 2021 Oberstdorf/Allgäu GmbH. „Allerdings haben sich bereits seit einiger Zeit die Zeichen aus der Politik verdichtet, dass uns am Ende wohl keine andere Wahl bleiben würde. Jetzt heißt es, den Blick nach vorne zu richten und das Beste aus der Situation zu machen. Die vergangenen Wochen haben gezeigt, dass der Skisport faszinierende Wettkämpfe auch ohne Zuschauer liefern kann. Die Weltmeisterschaften 2021 werden zwar nicht das Wintermärchen, von dem wir alle geträumt haben, aber ganz sicher auch keine blutleere Geister-WM. Wenn unsere Fans nicht nach Oberstdorf kommen können, liefern wir ihnen die tollen WM-Bilder und Emotionen eben direkt nach Hause.“

Die dafür notwendige Technik und Infrastruktur steht laut Geschäftsführer Moritz Beckers-Schwarz bereit: „Dank der umfangreichen und hochwertigen TV-Übertragungen und Berichterstattung auf den unterschiedlichen Plattformen und Kanälen können wir den vielen Millionen Wintersportinteressierten auf der ganzen Welt spannende und attraktive Wettbewerbe garantieren. In den verbleibenden Tagen werden wir nun noch intensiver daran arbeiten, dass Oberstdorf trotz der extrem schwierigen Rahmenbedingungen sowohl für die teilnehmenden Athletinnen und Athleten, als auch für die Zuschauer vor den Bildschirmen ein guter WM-Gastgeber ist. Ich bin mir sicher, dass wir neben den vielen Herausforderungen, die wir bereits erfolgreich bewältigt haben, auch diese neue Aufgabe gemeinsam meistern werden.“

„Wir bedauern es sehr, dass die Sitz- und Stehplätze in unserer Skisprung-Arena und im Langlaufstadion nun leer bleiben müssen“, ergänzt Geschäftsführer Florian Stern. „In den vergangenen Monaten hatten wir uns intensiv über eine sichere Zuschauerbeteiligung und die dafür notwendigen Hygienekonzepte Gedanken gemacht. Teilweise wurden auch schon Umbaumaßnahmen vorgenommen. Aber für die finale Planung war es wichtig, jetzt eine Entscheidung zu treffen, um weiterhin wirtschaftlich arbeiten zu können. Die Frage, ob eine Veranstaltung mit oder ohne Zuschauer stattfindet, hat natürlich erheblichen Einfluss auf die Personalplanung und den Aufbau der Infrastruktur. Nach Monaten der Unsicherheit haben wir jetzt zumindest Klarheit und können uns darauf konzentrieren, eine gute und vor allem auch sichere Veranstaltung für Athleten, Trainer und Betreuer durchzuführen. Gleichzeitig planen wir unter anderem die Aktion „Papplikum“, das heißt wir werden, unsere Stadien mit Bildern der Fans individuell gestalten.“

Für den Ort Oberstdorf hat der jüngste Beschluss ebenfalls weitreichende Folgen. Keine Zuschauer an den Wettkampfstätten bedeutet für die Beherbergungsbetriebe automatisch auch eine starke Reduzierung der Übernachtungszahlen. Für Oberstdorfs Ersten Bürgermeister Klaus King ein Szenario, auf das er gerne verzichtet hätte: „Wir haben alle noch die Bilder der WM 2005 im Kopf. 350.000 Fans, die zwei Wochen lang ein rauschendes Winterfest in Oberstdorf feierten. Das hätten wir uns auch in diesem Jahr gewünscht. Aber die Pandemie macht uns nun einen Strich durch die Rechnung. Wir werden trotzdem alles geben, um den Athletinnen und Athleten unter den derzeitigen Rahmenbedingungen eine schöne WM zu ermöglichen. Wir nehmen die Herausforderung an. Ich bin mir sicher: Oberstdorf wird auch in diesen schwierigen Tagen seinem Ruf als verlässlicher Partner und perfekter Gastgeber gerecht werden.“

Nicht nur auf die Marktgemeinde Oberstdorf, auch auf die gesamte Region hat diese Entscheidung Auswirkungen. Landrätin Indra Baier-Müller: „Wenngleich wir uns gerne wieder als gute Gastgeberregion für viele Tausende Zuschauer präsentiert hätten, sind wir überzeugt, dass wir mit der Weltmeisterschaft gerade in dieser schwierigen Zeit eine positive Botschaft aus dem Oberallgäu senden können. Daher blicken wir trotz der aktuellen Einschränkungen mit Vorfreude auf die anstehende Nordische Ski WM in Oberstdorf, die die Einzigartigkeit unserer Region wieder weit über unsere Grenzen hinaus sichtbar machen wird.“

Auch Dr. Peter Kruijer, 1. Vorsitzender SC Oberstdorf, bedauert diese Entscheidung: „Der Ski-Club bedauert ebenfalls die notwendige, aber richtige Entscheidung. Für viele Nachwuchssportler wäre eine Teilnahme als Zuschauer an der Strecke bei der WM ein Motivationsschub zum weiteren Training gewesen. Aber auch wir hoffen, dass wir unsere jungen Sportler motivieren können, die spannenden Rennen am Fernsehen zu verfolgen um danach auf den WM-Loipen den Weltmeistern nachzueifern.“
Das Vertrauen in die Oberstdorfer Organisatoren ist jedenfalls groß. Der Zuspruch für die Verantwortlichen ebenfalls. Entsprechend wurden zuletzt einige Stimmen laut, die sich nach der WM unter Corona-Bedingungen für eine „Bonus-Weltmeisterschaft“ in Oberstdorf aussprechen.

Auch aus der Allgäuer Bevölkerung war der Wunsch nach einem verkürzten Turnus bis zur nächsten Nordischen Weltmeisterschaft zu vernehmen. Auf diese Weise könnten die modernen Sportstätten und Infrastrukturen doch noch die Kulisse für ein echtes Wintermärchen mit Zuschauern und Nachwuchsprogramm sein, ohne dass hierfür weitere Investitionen nötig wären.

Inwiefern ein solches Vorhaben umgesetzt werden kann, ist nach einhelliger Meinung aller Verantwortlichen derzeit nicht seriös abzuschätzen. So könnten die dafür notwendigen Gespräche mit der FIS erst nach deren Kongress im Frühsommer 2021 geführt werden.

Die Ticketkäufer werden gesondert informiert und erhalten alle den vollen Betrag zurückerstattet.

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